Die einvernehmliche Kündigung ermöglicht in Österreich eine sofortige Beendigung des Arbeitsverhältnisses ohne die üblichen Kündigungsfristen – und ohne die vierwöchige Sperrfrist für Arbeitslosengeld, die bei Selbstkündigung greift. Arbeitnehmer und Arbeitgeber vereinbaren das Ende gemeinsam, was Vorteile wie unmittelbaren ALG-Anspruch und Auszahlung der Abfertigung nach dem BMSVG mit sich bringt, aber auch Risiken birgt, die vor Unterschrift geprüft werden sollten.

Keine Kündigungsfrist: Ja, kürzer möglich
Arbeitslosengeld möglich: Ja, bei Freiwilligkeit
Abfindung vereinbarbar: Ja, optional
Gilt für Österreich: Primär AMS/AK-Regelung
Resturlaub auszahlbar: Ja, vertraglich

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Definition
  • Gemeinsame Beendigung des Arbeitsverhältnisses durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber Arbeitnehmer.at

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Rechtliche Basis
  • AMS und Arbeiterkammer Österreich AMS.at

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Fristen

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Arbeitslosengeld

Tipp der Arbeiterkammer: Prüfe die Endabrechnung sorgfältig, bevor du die einvernehmliche Auflösung unterschreibst – man kann Ansprüche verlieren, ohne es zu merken. Arbeiterkammer Österreich

Was ist der Vorteil einer einvernehmlichen Kündigung?

Die einvernehmliche Auflösung – im Volksmund oft „Aufhebungsvertrag” genannt – unterscheidet sich grundlegend von einer einseitigen Kündigung: Beide Vertragsparteien müssen zustimmen, und das Arbeitsverhältnis endet nicht durch Willenserklärung des einen, sondern durch gemeinsame Vereinbarung. Arbeitnehmer.at

Vorteile für Arbeitnehmer

Arbeitnehmer profitieren gleich mehrfach von dieser Vereinbarungsform. Anders als bei einer ordentlichen Kündigung müssen keine langen Kündigungsfristen eingehalten werden – das AMS bestätigt, dass „keine Kündigungsfristen eingehalten werden müssen” AMS.at. Besonders wichtig: Nach einer einvernehmlichen Auflösung haben Arbeitnehmer sofort Anspruch auf Arbeitslosengeld, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind – ohne die vierwöchige Sperrfrist, die bei Selbstkündigung greift. Oesterreich.gv.at

▲ Vorteile

  • Keine Sperrfrist für Arbeitslosengeld (sofortiger Anspruch) AMS.at
  • Abfertigung ist auszahlbar (BMSVG-Regelung seit 2003) Arbeitnehmer.at
  • Keine gesetzlichen Kündigungsfristen, raschere Beendigung möglich AMS.at
  • Anspruch auf Endabrechnung inklusive anteiligem Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie Urlaubsersatz AMS.at
  • Postensuchtage für Jobsuche während Kündigungsfrist AMS.at
  • Anspruch auf Dienstzeugnis und Freizeit für Jobsuche AMS.at
  • Krankenversicherung bleibt bis zu sechs Wochen bestehen AMS.at

▼ Nachteile

  • Sofortige Auflösung kann zum Verlust von Lohn während der Kündigungsfrist führen YouTube-Video
  • Es besteht kein Kündigungsschutz für Schwangere oder Behinderte, da es zweiseitig ist Arbeitnehmer.at
  • Risiko, Ansprüche zu unterschreiben, ohne es zu merken Arbeiterkammer Vorarlberg

Die Abfertigung bleibt bei einvernehmlicher Kündigung erhalten – eine wesentliche Differenz zur Selbstkündigung, bei der die Auszahlung nicht erfolgt (stattdessen veranlagt in der Vorsorgekasse). Arbeiterkammer

Vorteile für Arbeitgeber

Auch aus Arbeitgebersicht bietet die einvernehmliche Auflösung Vorteile: Der Arbeitgeber umgeht potentially lenghty Kündigungsschutzverfahren und kann das Arbeitsverhältnis rascher beenden, wenn eine einvernehmliche Lösung vereinbart wird. WKO Allerdings darf niemand zu einer einvernehmlichen Auflösung gezwungen werden – sie ist stets freiwillig. Arbeiterkammer

„Eine einvernehmliche Auflösung hat mehrere Vorteile gegenüber einer Kündigung: Es müssen keine langen Kündigungsfristen eingehalten werden.”

— AMS, Öffentlicher Arbeitsmarktservice

Hinweis: Die einvernehmliche Auflösung klingt unkompliziert, birgt aber rechtliche Risiken – besonders bei Formulierungen, die Ansprüche waive könnten. Arbeiterkammer Vorarlberg

Warum ist ein Aufhebungsvertrag besser als eine Kündigung?

Der zentrale Unterschied liegt in der Rechtswirkung: Bei einer einseitigen Arbeitgeberkündigung greift der Kündigungsschutz – bei Schwangeren, Behinderten oder Betriebsratsmitgliedern gelten Sonderregeln. Bei der einvernehmlichen Auflösung hingegen gibt es diesen Schutz nicht, da beide Seiten zustimmen. Arbeitnehmer.at

Vergleich Kündigungsfristen

Während bei einer ordentlichen Kündigung je nach Dienstzeit unterschiedliche Fristen gelten, ist die einvernehmliche Auflösung zeitlich flexibel. Das AMS bestätigt, dass keine langen Kündigungsfristen eingehalten werden müssen, was beiden Seiten Planungssicherheit gibt. AMS.at

Unterschiede einvernehmliche Kündigung vs. Selbstkündigung vs. Arbeitgeberkündigung
Kriterium Einvernehmliche Kündigung Selbstkündigung Arbeitgeberkündigung
Sperrfrist ALG 0 Wochen AMS 4 Wochen Oesterreich.gv.at 0 Wochen
Abfertigung Auszahlbar (BMSVG) Arbeitnehmer.at Veranlagt, keine Auszahlung Arbeiterkammer Auszahlbar
Kündigungsfrist Verhandelbar AMS Gesetzlich geregelt Gesetzlich geregelt
Kündigungsschutz Entfällt bei Zustimmung Arbeitnehmer.at Nicht relevant Gilt
Krankenversicherung 6 Wochen bestehen AMS 6 Wochen (bei rechtzeitigem AMS-Antrag) Oesterreich.gv.at 6 Wochen

Das Muster ist eindeutig: Wer die Abfertigung sofort benötigt oder rasch Arbeitslosengeld beziehen möchte, profitiert von der einvernehmlichen Lösung. Die Freiwilligkeit bleibt jedoch das entscheidende Kriterium – ohne echten Konsens liegt keine gültige einvernehmliche Auflösung vor. Arbeiterkammer

Rechtliche Risiken

In Deutschland gelten andere Regeln: Dort gibt es bei einvernehmlicher Kündigung eine Sperrfrist für Arbeitslosengeld – im Gegensatz zu Österreich. Arbeiterkammer Vorarlberg Wer also grenzüberschreitend arbeitet, sollte die jeweiligen nationalen Regelungen prüfen.

„Auch im Falle einer einvernehmlichen Auflösung (USP) gibt es keine vierwöchige Sperre.”

— Bundeskanzleramt Österreich, Oesterreich.gv.at

Habe ich bei einer einvernehmlichen Kündigung Anspruch auf Arbeitslosengeld?

Ja – und zwar sofort. Das AMS bestätigt, dass Arbeitnehmer nach einer einvernehmlichen Auflösung sofort Anspruch auf Arbeitslosengeld haben, sofern die allgemeinen Voraussetzungen (Mindestversicherungszeit, Arbeitsfähigkeit, Arbeitsbereitschaft) erfüllt sind. AMS.at Bei Urlaubsabgeltung beginnt der ALG-Anspruch allerdings erst nach Ablauf der bezahlten Tage. AMS.at

Bedingungen AMS

Die Sperrfrist entfällt nur, wenn die einvernehmliche Auflösung tatsächlich freiwillig erfolgt ist. Das AMS prüft dies im Einzelfall. Oesterreich.gv.at Wird ein Mitarbeiter unter Druck gesetzt, eine einvernehmliche Auflösung zu unterschreiben, gilt dies als nicht freiwillig – mit entsprechenden Konsequenzen für den ALG-Anspruch.

Sperrzeiten vermeiden

Bei der Selbstkündigung beträgt die Sperrfrist vier Wochen – nicht sechs, wie teils irrtümlicherweise angenommen wird. Oesterreich.gv.at Die Sperrfrist verschiebt den ALG-Bezug um diese vier Wochen, beeinflusst aber nicht die Bezugsdauer selbst.

Achtung: Wer im Krankheitsstand eine einvernehmliche Kündigung unterschreibt, riskiert den Verlust von Lohn während der Kündigungsfrist. Die sofortige Auflösung bedeutet auch sofortiges Ende der Lohnfortzahlung. YouTube-Video

Was sind Nachteile einer einvernehmlichen Kündigung für Arbeitnehmer?

So vorteilhaft die einvernehmliche Kündigung in vielen Punkten ist – sie hat auch Schattenseiten, die Arbeitnehmer kennen sollten. Arbeiterkammer Vorarlberg

Verlust von Kündigungsschutz

Bei Schwangeren und Behinderten greift normalerweise ein besonderer Kündigungsschutz. Bei der einvernehmlichen Auflösung fällt dieser Schutz weg, weil beide Seiten zustimmen. Arbeitnehmer.at Für werdende Mütter oder Personen in Elternkarenz besteht zwar Schriftformerfordernis, WKO aber der Kündigungsschutz als solcher wird umgangen.

Keine Sperrzeit bei Druck

Das eigentliche Risiko liegt im Freiwilligkeitsaspekt: Niemand kann zu einer einvernehmlichen Auflösung gezwungen werden. Arbeiterkammer Wenn ein Arbeitgeber massiven Druck ausübt – etwa durchandrohende Kündigung oder Versetzung – und der Arbeitnehmer dann einer einvernehmlichen Lösung zustimmt, kann das AMS dies als nicht freiwillig werten und dennoch eine Sperrfrist verhängen.

Besonderheit Minderjährige: Minderjährige in Schutzgruppen benötigen eine Rechtsbelehrung, damit die einvernehmliche Auflösung gültig ist. WKO

Wie schließe ich eine einvernehmliche Kündigung ab?

Die einvernehmliche Auflösung folgt keiner vorgeschriebenen Form – es gibt keine gesetzlichen Formvorschriften. Dennoch sollte sie schriftlich festgehalten werden, um spätere Streitigkeiten zu vermeiden. Arbeitnehmer.at

Unterschriftsfrist

Anders als bei einer ordentlichen Kündigung gibt es keine gesetzliche Frist, innerhalb derer die einvernehmliche Auflösung unterzeichnet werden muss. Die Parteien vereinbaren den Termin individuell – wobei ein Datum in der Zukunft sinnvoll ist, um Postensuchtage und eine geordnete Übergabe zu ermöglichen. AMS.at

Vorlagen nutzen

Es empfiehlt sich, vorformulierte Muster zu verwenden und anzupassen. Die Arbeiterkammer und Arbeitnehmer.at bieten Vorlagen an, die die wesentlichen Punkte abdecken: Beendigungsdatum, Endabrechnung, Urlaubsabgeltung, Abfertigung und eventuelle Abfindung. Arbeitnehmer.at

  1. Vereinbarung über Beendigungsdatum und -bedingungen treffen
  2. Endabrechnung prüfen lassen (Gehalt, Sonderzahlungen, Urlaubsersatz) WKO
  3. Abfertigungsanspruch gemäß BMSVG bestätigen lassen Arbeiterkammer
  4. Schriftliche Vereinbarung in zwei Exemplaren erstellen
  5. AMS frühzeitig über Beendigung informieren (für nahtlosen ALG-Bezug)

Resturlaub und Auszahlung

Die Endabrechnung muss Gehalt, anteiliges Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie Urlaubsersatz enthalten. WKO Resturlaub wird ausbezahlt – das ist gesetzlich fixiert. Bei Urlaubsabgeltung beginnt das Arbeitslosengeld allerdings erst nach Ablauf der bezahlten Tage. AMS.at

Zusammenfassung: Die einvernehmliche Kündigung ist für Arbeitnehmer in Österreich vorteilhaft, wenn sie rasch Arbeitslosengeld beziehen und die Abfertigung auszahlen lassen möchten. Entscheidend ist die Freiwilligkeit – nur dann entfällt die Sperrfrist. Vor Unterschrift sollten Arbeitnehmer die Endabrechnung prüfen und sich bei Unsicherheiten an AMS oder Arbeiterkammer wenden.

Verwandte Beiträge: RTR – Zentrale Behörde für Medien und Telekom · Starkregen – Definition und Schutz in Österreich

Weitere Quellen

arbeitnehmer.at, fidas.at

Während die einvernehmliche Kündigung Vorteile bietet, eignet sich eine Vorlage Kündigung Arbeitsvertrag ideal für einseitige Aufhebungen mit Mustern und Fristen.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange habe ich Zeit, eine einvernehmliche Kündigung zu unterschreiben?

Es gibt keine gesetzliche Frist – die Parteien vereinbaren den Zeitpunkt individuell. Empfehlenswert ist ein Datum mit Vorlauf, um Postensuchtage nutzen und eine geordnete Übergabe organisieren zu können.

Was ist besser, Kündigung durch Arbeitgeber oder einvernehmlich?

Das hängt von der Situation ab: Wer sofort Arbeitslosengeld benötigt und die Abfertigung auszahlen lassen möchte, profitiert von der einvernehmlichen Lösung. Wer hingegen eine längere Kündigungsfrist bevorzugt oder Kündigungsschutz genießt, sollte die einvernehmliche Variante sorgfältig prüfen.

Erhalte ich eine Abfindung bei einvernehmlicher Kündigung?

Ja, nach dem BMSVG (gültig seit 2003) besteht bei einvernehmlicher Kündigung Anspruch auf Auszahlung der Abfertigung. Bei Selbstkündigung wird die Abfertigung hingegen nur veranlagt und nicht ausgezahlt.

Ist eine einvernehmliche Kündigung im Krankenstand möglich?

Grundsätzlich ja, aber mit Risiken: Die sofortige Auflösung kann zum Verlust der Lohnfortzahlung während der Kündigungsfrist führen. Arbeitnehmer im Krankenstand sollten vorsichtig sein und sich beraten lassen.

Wie wird Abfertigung bei einvernehmlicher Kündigung gehandhabt?

Die Abfertigung ist nach dem BMSVG auszahlbar – im Gegensatz zur Selbstkündigung, wo sie nur veranlagt wird. Die Höhe richtet sich nach der Dienstzeit und dem jeweiligen Abfertigungsrecht.

Gibt es eine kostenlose Vorlage für einvernehmliche Kündigung?

Ja, die Arbeiterkammer und Arbeitnehmer.at bieten Muster und Vorlagen an, die als Ausgangspunkt dienen können. Diese sollten jedoch an die individuelle Situation angepasst und vor Unterschrift geprüft werden.

Welche Kündigung ist die beste?

Es gibt keine pauschal „beste” Kündigungsart – die Wahl hängt von den individuellen Umständen ab: Arbeitslosengeld-Bedarf, Abfertigungswunsch, Kündigungsschutz und Verhandlungsmöglichkeiten spielen alle eine Rolle. Eine Beratung bei AMS oder Arbeiterkammer hilft bei der Entscheidung.

Wichtige Fakten im Überblick

Thema Regelung Quelle
Sperrfrist einvernehmliche Kündigung 0 Wochen (keine Sperre) AMS.at
Sperrfrist Selbstkündigung 4 Wochen Oesterreich.gv.at
Krankenversicherung nach Kündigung 6 Wochen AMS.at
Abfertigung einvernehmliche Kündigung Auszahlbar (BMSVG) Arbeitnehmer.at
Abfertigung Selbstkündigung Veranlagt, keine Auszahlung Arbeiterkammer